AUSSTELLUNGEN
Ausstellungen 2008
film.geschichte:
„Wenn ich sonntags in mein Kino geh'“. Ton – Film – Musik 1929-1933
20. Dezember 2007 bis 27. April 2008
Pressereaktionen
Morgenpost, 21. Dezember 2007
Das gab's nur einmal, das kam nicht wieder
Von Peter Zander
(...)
[D]em Filmmuseum gelingt hier gleich zweierlei: Es weiß ein Phänomen,
das doch vor allem ein bildlich-akustisches war, spannend mit Exponaten
auszustellen. Und ihm gelingt, ganz nebenbei, noch eine Einführung in
die Tontechnik jener Zeit. Zeigt, vor welchen Apparaturen sich Stars
wie Lilian Harvey, Willi Fritsch oder Heinz Rühmann abmühen mussten, um
gute Laune zu verbreiten. Nadeltonplatten, "Neumannflaschen"-Mikros und
gewaltige Lichttonkameras sind da zu sehen. Auch zahlreiche
Schellackplatten, die parallel zum Filmstart auf den Markt kamen: erste
Crossover-Vermarktungsstrategien. Außerdem Drehbücher, Fotos,
Fanartikel, Musikinstrumente - und jede Menge Filmausschnitte in drei
begehbaren Kinos. Am Ende führt die Ausstellung in eine Sackgasse: In
einer Nische marschieren die Nazis auf. Und im hintersten Raum findet
sich ein kleines Archivzimmer: Da werden die Schicksale all jener
Filmkünstler dokumentiert, die nach 1933 verfolgt oder gar ermordet
wurden.
Berliner Zeitung, 22. Dezember 2007
Ein kleines bisschen Glück
Von Carmen Böker
(...)
Die Tonfilmoperette tanzte allerdings ohnehin nur wenige Sommer lang,
bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten: Ihre fähigsten
Gestalter - wie etwa der Regisseur Erik Charell, der Produzent Erich
Pommer oder der Komponist Werner Richard Heymann - waren jüdischer
Herkunft und gingen nach 1933 ins Exil. Ihre Lebensgeschichten kann man
in Karteikästen nachlesen, die am Ende der Ausstellung zu finden sind.
Rund 230 Exponate sind zwischen drei Kinoecken und diversen
Media-Stationen zu sehen: Partituren, Plakate, Alben, Drehbücher,
Korrespondenzen, Kostüme und Kurioses wie ein Zettel, auf den "Dschöst
oanz for oll teim" notiert ist; die korrekte Aussprache von "Just Once
For All Time", der englischen Version von "Das gibt's nur einmal" aus
"Der Kongress tanzt". (...)
Zitty, 2007/26
Wenn ich sonntags in mein Kino geh’
Hartz-IV-Empfänger
in Plattenbauten, singend und tanzend in einer sarkastischen, womöglich
gar optimistischen Komödie – im heutigen deutschen Kino wäre das
undenkbar. Vor knapp 80 Jahren, als die Arbeitslosigkeit höher, das
soziale Elend größer und die Wohnsituation prekärer war, sah das ganz
anders aus: Als kurz nach der Einführung des Tonfilms die
Weltwirtschaftskrise hereinbrach, schwang sich die deutsche
Kinematografie zu ihrer vielleicht schönsten Phase auf. Das neue Mittel
Ton nutze man insbesondere, um noch frecher und geistreicher,
spielerischer und ironischer Witze zu reißen – über das Leben und die
Liebe, die unerquickliche Wirklichkeit und die Traumfabrik selbst. (...)
Tip, Ausgabe 2008/1
Singen und nicht viel tun
Sie
träumen von Hollywood und besingen das Nichtstun: „Ich wollt’ ich wär’
ein Huhn / ich hätt’ nicht viel zu tun...“ So treten die Helden der
deutschen Musikfilmkomödien aus den ersten Jahren des Tonfilms gerne
auf. Die wenigsten dieser populären, komischen Musikfilme spielen in
einer kostümbesetzten Vergangenheit wie der berühmte „Der Kongreß
tanzt“. Viele machen eher die Rahmenbedingungen des Träumens zum
Gegenstand ihrer Geschichte. So wie „Ich bei Tag und du bei Nacht“, der
sich mit seinem Film-im-Film-Stoff über die Konfektionsware des Kinos
lustig macht. (...)
Osnabrücker Zeitung, 4. Januar 2008
Ein kleines bisschen Glück
Von Klaus Grimberg
(...)
Die Ausstellung lädt ein, sich anhand von Plakaten, und Szenenbildern,
Drehbüchern und Partituren, Kostümen und Requisiten, Filmtechnik und
Schallplatten in eine Filmära zu vertiefen, in der das Kino ein paar
Stunden Ablenkung vor den Sorgen des Alltags verprach, ohne diese
völlig auszublenden. Die vielfältigen Exponate werden bereichert durch
zahlreiche Hör- und Sehstationen, an denen mit Ton- und Filmdokumenten
die diversen Facetten der Tonfilmoprertte vertieft werden. Das größte
Vergnügen aber bereiten die drei kleinen, in die Ausstellung
integrierten Kinos: Hier laufen geschickt zusammengeschnittene
Ausschnitte aus den Kassenschlagern des Genres, die an zentrale Themen
wie „Krise“ oder „Großstadtlichter“ anknüpfen. Wer will, kann mehrere
Stunden lang zusehen. (...)
Deutsche Welle, 7. Januar 2008
Hinreißend sinnlich!
Von Dieter David Scholz
(...) Die Berliner Ausstellung über die Tonfilmoperette wirft Licht auf
ein untergegangenes Genre von Film- und Operettenkunst. Faszinierend zu
sehen, auf welch hohem Niveau das Handwerk des Filmens wie des
Operettemachens betrieben wurde. Faszinierend auch die
Originalfilmaufnahmen aus dem alten Berlin, das so ja nicht mehr
existiert. Zu schweigen von der szenischen, musikalischen,
choreografischen und darstellerischen Perfektion der
ironisch-satirischen Operettenkunst damals. Die Operette ist besser als
ihr Ruf! Auch und gerade die Tonfilmoperette. Man begreift das in
dieser Berliner Ausstellung, die in ihrer Anschaulichkeit und ihrem
Informationsanspruch überwältigt.
Märkische Allgemeine Zeitung, 11. Januar 2008
Als die Bilder singen lernten
Von Antje Rößler
(...)
Man radelt auf dem Velotrab, einem hölzernen Vorläufer des
Hometrainers. Es gibt Möbel, die auf Knopfdruck aus der Wand fahren.
Oder man sieht Paul Hörbiger als singenden Schönheitschirurgen beim
Rundgang durch seine Praxis. Die Vermarktung des Musikfilms war von
Anfang an in moderne Mechanismen eingebunden. Exponate wie
Schellack-Platten, Plakate und Partituren verdeutlichen den Kreislauf:
Im Film wurden die Schlager unters Volk gebracht, Tanzkapellen und
Radio wiederholten sie, schließlich wurde mit Schallplatten und Noten
der Ohrwürmer Umsatz gemacht. (...)
film-dienst Nr. 2 / 2008
Stimmen der Zeit
Von Volker Baer
Kann man, das ist die grundlegende Ausgangsfrage, ein ganzes Genre in einer Ausstellung vorzeigen? Kann man die einst neue, ja geradezu revolutionäre Verbindung von Spiel und Tanz, von Musik und Gesang, von Ton und Bild in einer zusammenfassenden Übersicht präsentieren? Ja, man kann, wenn man so zu Wege geht wie im Berliner Filmmuseum, wenn man sich nicht allein auf die Kraft der einzelnen Filme verlässt, sondern auch deren Umfeld im weitesten Sinne mit einbezieht. Es gab, als Ende der 1920er-Jahre der Ton zum Film kam, einen großen Umbruch, zugleich aber auch einen großen Bruch in der Geschichte, der kulturellen wie der politischen. (...)
(... ) All dies in einer Ausstellung umzusetzen, ist gewiss ein Wagnis. Man wird in dieser Übersicht, die zum Schauen, Hören und Lesen gleichermaßen herausfordert, weniger durch die Geschichte dieses Genres geführt, als vielmehr mit dessen Problemen und mit dessen Umfeld konfrontiert. (...) Ein Genre wird porträtiert und zugleich, der Vorzug der Ausstellung (Kuratoren: Peter Jammerthal, Peter Mänz, Vera Thomas, Nils Warnecke), ein Zeitbild entworfen. (...)
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