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AUSSTELLUNGENAusstellungen 2009Casting a Shadow. Alfred Hitchcock und seine WerkstattPressereaktionen
Ausstellung über Alfred Hitchcock in Berlin Von Elke Vogel Eine Hand krallt sich in den Duschvorhang. Ein langes Messer blitzt auf. Die Augen des Opfers sind vor Entsetzen geweitet. Wie ein Comic-Strip liest sich das gezeichnete Drehbuch für die berühmte Dusch-Szene in Alfred Hitchcocks Thriller Psycho. Das sogenannte Storyboard ist eines von mehr als 200 Exponaten, die den Mythos Hitchcock ergründen. Als einzige Europastation zeigt Berlin die US-Schau „Casting A Shadow. Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“. Die Ausstellung (…) gibt detaillierte Einblicke in die Arbeitsweise des legendären Filmemachers und seiner engsten Mitarbeiter. Beeindruckend sind die vielen Original-Dokumente, die die Entstehungsweise der Filme und das Leben am Set dokumentieren, (…) vor allem die Storyboards für die verschiedenen Einstellungen berühmter Filme machen einen großen Reiz der Ausstellung aus. Robert Boyle zeichnete mit Kohlestift und Aquarellfarben, wie sich das Filmteam die gespenstische Stimmung kurz vor dem Angriff der „Vögel“ vorstellte – schon verdunkeln Vogelschwärme den Himmel, Krähen lauern im Gebüsch harmlosen Spaziergängern auf. (…) Angriff der Killermöwen. Berliner Reminiszenzen in einer Ausstellung des Filmmuseums über Hitchcock Von Andreas Conrad Draußen hinter der Haustür ist die Hölle los. Da ist ein Pochen, Hacken, Hämmern, ein Krächzen, Kreischen, Schreien, ein Flattern, Krachen, Schaben – die Laute einer Urgewalt, die sich voller Mordlust hineindrängt ins Heim der Menschen. Schon beginnt das Holz zu splittern, bohren sich messerscharfe Schnäbel hindurch, durchstoßen die Tür wie tödliche Dolche. Wer Hitchcocks Die Vögel gesehen hat, vergisst diese Szene nicht. (…) Er spielt an der kalifornischen Küste, dort wurde 1962 gedreht; die Vogelschreie aber stammten aus Berlin, waren von dem Komponisten Oskar Sala an dessen Trautonium, einem Vorläufer des Synthesizers, entworfen und eingespielt worden. Hitchcock war eigens nach Berlin gekommen. „Casting a Shadow – Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ heißt eine Ausstellung über den Großmeister des Suspense, die an diesem Mittwoch im Filmmuseum eröffnet wird. Die Übernahme des nahe Chicago gelegenen Block Museums stellt sein Gesamtwerk in den Mittelpunkt. Für Berlin wurde sie aus hiesiger Sicht ergänzt, ein alles andere als lokalpatriotischer Akt: Der Regisseur verdankte Berlin mehr als nur das metallische Krächzen wild gewordener Seevögel. (…) Hitchcock als Teamarbeiter. Ausstellung in Berlin zu den Mythen über den legendären Regie-Meister Alfred Hitchcock Mit Mythen über den legendären Regie-Meister Alfred Hitchcock aufräumen will eine Ausstellung in Berlin. Vom Ende Jänner bis 10. Mai zeigt die Deutsche Kinemathek die Schau „Casting a Shadow. Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“. In neun Themenbereichen wird gezeigt, dass er keineswegs stets alleiniger Autor seiner Filme, sondern vielmehr ein sehr teamorientierter Künstler war, wie die Veranstalter am Mittwoch mitteilten. Berlin ist europaweit die einzige Station der Ausstellung, die zuvor in den USA präsentiert worden war. In ihr wird anhand von Filmausschnitten, Requisiten und schriftlichen Dokumenten deutlich, dass Hitchcock intensiv mit Schauspielern, Produzenten, Kameraleuten, Drehbuchautoren, Kostümbildnern, Production Designern und Komponisten zusammenarbeitete. (…) Von Andreas Kilb (…) Dabei war Hitchcocks Kino, vielleicht mehr als das jedes anderen großen Regisseurs der Filmgeschichte, ein Kino der Objekte, der Requisiten und Bauten; und zugleich ein Kino der Komposition, der penibel gezeichneten Storyboards und Kamerawinkel, der Soundeffekte und musikalischen Leitmotive. Hitchcocks Lieblingswort war „Idee“, er schoss es wie einen Pfeil auf die jungen Regisseure der sechziger Jahre ab, die nur Bilder, aber keine Ideen für ihre Filme hätten – aber irgend jemand musste das Ausgedachte ja verwirklichen, die Räume bauen, die Bilder malen, die Kulissen ihren Vorbildern angleichen. Dafür konnte Hitchcock zeitlebens auf die Besten der Branche zurückgreifen, auf Könner, die in der großen Epoche der Studios ausgebildet worden waren (…). Aus Eindrücken wie diesem entsteht in der Ausstellung das Bild eines Werks, das auf vielen Schultern ruht, künstlerischen wie technischen, wobei das eine vom anderen oft schwer zu trennen ist. Dennoch ist es am Ende immer der kleine dicke Mann im grauen Anzug, der hinter allem die Fäden zieht. (…) Hitchcock und die Deutschen Von Catherine Newmark (…) Die Ausstellung „Casting a Shadow“ zeigt nun an Hand von Skizzen, Storyboards, Illustrationen und Korrespondenzen, wie Hitchcocks Filme tatsächlich entstanden – und wie der Mythos um sie herum. Da gibt es einerseits Beispiele für Hitchcocks eindrückliche visuelle Voraus-Sicht von Filmen: eine Tischunterlage aus dem Sheraton-Hotel etwa, auf deren Rückseite er offensichtlich beim Essen eine Szene aus North by NorthwesT (dt.: Der unsichtbare Dritte, 1959) genauso skizziert hat, wie sie auch im Film zu sehen ist. Andere Exponate zeigen die präzise Planung von Hitchcocks Drehs, etwa die Detailskizze der Kamera-Einstellungen für die berühmte Flugzeugszene desselben Films, die in der Ausstellung neben den entsprechenden Filmausschnitten gezeigt werden. Umgekehrt zeigt die Ausstellung im Filmmuseum, wie sehr Hitchcock sich für seine Ideen auch auf Mitarbeiter verließ – wenn er beispielsweise Daphne du Mauriers Novelle The Birds zunächst von Robert F. Boyle bebildern ließ – Vorskizzen, die den späteren visuellen Charakter des Films Die Vögel ganz offenkundig geprägt haben. (…) Was Alfred Hitchcock in Babelsberg lernte Von Matthias Heine (…) Die vielen Fernsehaufnahmen mit Alfred Hitchcock aus deutschen Archiven sind einer der Schätze, um die die Ausstellung „Casting a Shadow. Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ extra für ihre Berliner Station (die einzige in Europa) bereichert wurde. (…) Ursprünglich handelt es sich um eine Schau der US-Academy of Motion Pictures. In Deutschland sind auch noch ein von Christian Dior und Milo Anderson entworfenes Kostüm aus der Marlene-Dietrich-Collection, das die Schauspielerin in Die Rote Lola trug, sowie Bilder des Fotografen Mario Mach, die Hitchcock auf seiner Berliner Werbe-Tour für Psycho zeigen, dazugekommen. Aber eigentlich geht es bei der Ausstellung um die Menschen, die dem großen „Teamarbeiter“ (so Museumsdirektor Rainer Rother) halfen. Die Liste seiner Drehbuchautoren in den amerikanischen Jahren liest sich wie ein „Who's Who“ der damaligen US-Literatur. (…) Tiefe Einblicke in die Arbeit des Regisseurs gewähren auch die so genannten „Storyboards“, mit denen Hitchcock in der Manier eines Comic-Strips die Kameraeinstellungen eines Films vorweg plante.
Tip, Berlin, 29. Januar 2009 Alfred Hitchcock und seine Werkstatt Von Julia Schulte-Ontrop „Never turn your back on a friend“ – ein Wort Alfred Hitchcocks, an das man sich im Jahr seines 110. Geburtstags zu erinnern scheint. Denn pünktlich zur Berlinale widmet die Deutsche Kinemathek dem Master of Suspense eine Sonderausstellung mit dem Titel „Casting a Shadow“. Und wo Schatten geworfen werden, da ist bekanntlich auch Licht: Alfred Hitchcocks Gesamtwerk gehört zu den bedeutendsten der Filmgeschichte, er selbst zu den stilistisch einflussreichsten Regisseuren. Die Ausstellung gewährt nun Einblicke in die Arbeitsweise Hitchcocks und seiner engsten Mitarbeiter. Zeichnungen, Storyboards, Tonaufnahmen von Drehbuchbesprechungen und Interviews dokumentieren die Entstehung von Meisterwerken wie DIE VÖGEL oder DER UNSICHTBARE DRITTE. (...) Der Tagesspiegel, Berlin, 30. Januar 2009 China oder Schokolade. Der Doppelgänger: Das Berliner Filmmuseum ehrt Alfred Hitchcock zum 110. Geburtstag Von Christina Tilmann (…) Im Zentrum der Ausstellung jedoch steht: Alfred Hitchcock himself. Seine Fantasie. Seine Vermarktungsstrategie. Sein Stil. (…) Der visuelle Aspekt steht im Zentrum, auch wenn die ursprünglich für ein Kunstmuseum entworfene Ausstellung für ihre Berliner Station um eine Abteilung zu Musik und Sound Design erweitert wurde. Erst kam das Bild und dann der Film. (…) Mehrere Storyboards, kleine Comicstrips in sich, in denen skizzenhaft Raum und Atmosphäre, die Positionen der Schauspieler wie auch der Standort der Kamera eingefangen werden, sind nun in der Ausstellung zu sehen, und dazu die Continuity-Beschreibung mit den einzelnen Einstellungen und die fertige Filmszene, ebenfalls durchnummeriert. Ob die berühmte Kornfeld-Szene aus North by Northwest, die Szene auf der Freiheitsstatue aus Saboteur oder die mit dem Klettergerüst voller Vögel aus The Birds: Ikonen der Filmgeschichte lassen sich so, Bild für Bild, nachbuchstabieren. (…) Alfreds Tricklabor. Ausstellung der Deutschen Kinemathek zeigt Hitchcocks Kinowerkstatt Von Jörg Taszman Alfred Hitchcock stilisierte sich gerne als alleiniger Autor seiner Filme. Eine Ausstellung im Museum für Film und Fernsehen in Berlin zeigt, dass Hitchcock sehr wohl verstand im Team zu arbeiten und sich mit vielen kreativen Künstlern, Technikern und Schriftstellern umgab. Die Ausstellung „Casting a shadow“ ist eine – erweiterte – Übernahme vom „Block Museum“ in Chicago. (…) Berlin und Alfred Hitchcock gehören zusammen. Schon 1925 kam der damals 26-jährige Brite in die Stadt, lernte in den UFA Studios sein Handwerk und kehrte unter anderem 1966 mitten im kalten Krieg für den Spielfilm Der zerrissene Vorhang zurück. So sind die deutschen Kuratoren von „Casting a Shadow“ Nils Warnecke und Kristina Jaspers auch besonders stolz darauf, dass die in den USA konzipierte Ausstellung in Europa nur in Berlin Station macht. (…)
Neues Deutschland, Berlin, 5. Februar 2009 Der Meister der Spannung Von Nissrine Messaoudi Eine Gruppe von Kindern steht vor einer Kirche. Am Horizont erscheint unerwartet eine Schar von Vögeln. Plötzlich werden die Kinder von den schwarzen Kreaturen angegriffen. Man braucht nicht lange, um zu erraten um welchen Film es sich handelt. Genau, um THE BIRDS (Die Vögel) von Alfred Hitchcock. Diese beschriebene Szene kann man als Storyboard – eine Art Comic-Strip, das vor dem Dreh angefertigt wird – in der Ausstellung „Casting a Shadow – Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ im Berliner Filmmuseum bestaunen. Und das ist längst nicht alles. (...) Genau wie Hitchcock selbst legt die Ausstellung viel Wert aufs Detail. So braucht man viel Zeit, um die gesammelten Schriften und Briefe durchzulesen. Es lohnt sich, denn man erfährt einiges über den Künstler, seine Arbeitsmethode und über sein Verhältnis zu seinen Mitarbeitern. Das interessanteste an der Sonderausstellung sind allerdings die Zeichnungen und Storyboards. Sie fangen das atmosphärische in Hitchcocks Filmen am Besten auf, denn sie funktionieren – ganz im Sinne Hitchcocks – visuell.
Deutsche Welle – world, 6. Februar 2009 Kontrastprogramm Hitchcock Von Jochen Kürten (...) Schon beim Sehen von THE INTERNATIONAL musste ich ständig an Hitchcock denken, auf den sich so viele Filmemacher noch heute beziehen, an DER UNSICHTBARE DRITTE vor allem, weil es da so viele sichtbare Bezüge gibt. Im Museum für Film und Fernsehen läuft derzeit die Ausstellung „Casting A Shadow. Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“. Und tatsächlich, die Worte Hitchcocks, die man aus den Monitoren der Ausstellung hört oder liest auf den Tafeln, die gleichen den Worten des jungen Deutschen manchmal bis ins Detail. Wie da über das reine Kino (Hitchcock nennt das in seinem liebenswert-gebrochenen Deutsch „Echt Kino“) gesprochen wird, über die Teamarbeit am Set, über das Zusammenspiel der verschiedenen Kräfte beim Dreh, glaubt man fast Tom Tykwer zu hören, wie er bei der Pressekonferenz über seinen Film redet und ihn verteidigt gegen die nur auf den ersten Blick so aktuellen Bezüge zur Finanzkrise. So bekam man schon zum Auftakt der Berlinale eine schöne Lektion in Filmgeschichte!
Die Tageszeitung, Berlin, 9. Februar 2009 Die Manufaktur des Meisters. Er war nicht allein: Das Museum für Film und Fernsehen zeigt eine Schau über „Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ Von Katrin Bettina Müller Den Regisseur Alfred Hitchcock kennt jeder, aber wem sagen die Namen Dorothy Holt, Robert Boyle, Thomas Wright oder Harold Michelson etwas? Dass sie alle wunderbar zeichnen können, Räume und Stimmungen visualisieren, Bewegungen des Auges und der Personen vorwegnehmen, ist das Erste, was man in der Ausstellung „Casting a Shadow – Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ im Film- und Fernsehmuseum am Potsdamer Platz sieht. Robert Boyle und Dorothy Holt etwa gehörten zu den Produktionsdesignern für SHADOW OF A DOUBT von 1943. Eine dunkel-dramatische, großformatige Zeichenserie von Holt gilt den Momenten, als das Mädchen Charlie zu ahnen beginnt, wer der Mörder ist. (...) Ein Bildschirm neben den Zeichnungen zeigt den entsprechenden Filmausschnitt. Und plötzlich sieht man, wie die ganze Geschichte in jeder Einstellung enthalten ist, wie zielgerichtet die Bilder ineinandergreifen, wie Bewegung im Raum und Emotionen in ihrer Dynamik aufeinander bezogen komponiert sind. (...) Das eben ist das Schöne an dieser Ausstellung: dass sie nicht an der monolithischen Aura des Genies weiterbaut, sondern tatsächlich in eine Werkstatt leuchtet (...). Film-Dienst, Nr. 5, Bonn 2009 With a Little Help from My Friends Von Jens Hinrichsen (…) Hitchcock träumte davon, auf den Gefühlen seines Publikums wie auf einer Orgel zu spielen. Der Regisseur als Solist, der alle Register selbst zieht: eine Fantasie. Die verdrängte Realität enthüllt eine fesselnde Ausstellung in der Berliner Kinemathek. Das Selbstverständliche wird hier zum Ereignis: Filme müssen entworfen, gebaut, gedreht, vertont, geschnitten und umgeschnitten werden. Erstmals in dieser Deutlichkeit würdigt die Schau anhand von Produktionszeichnungen, Memos, Requisiten, Video-Interviews und Filmausschnitten Bedeutung und Einfluss von renommierten oder weithin unbekannten Kollaborateuren im „System Hitch“. (…)
Darmstädter Echo, 23. Februar 2009 Geometrie des Thrillers Von Stefan Benz (…) Es ist die große Kunst der suggestiven Montage, die den Zuschauer derart gefangen nimmt, dass er im Kino kaum Zeit hat, sich zu fragen: Wie hat Mister Hitchcock das bloß hingekriegt? Die aus den USA übernommene und in Berlin ergänzte Schau „Casting a Shadow – Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ verrät nun einige seiner Tricks. Vor allem aber zeigt sie den Autorenfilmer als peniblen Perfektionisten und detailgenauen Teamarbeiter. (…) Dabei hat sich Hitchcock weniger für die Dialoge interessiert, sondern für die visuelle Sprache seiner Geschichten. Davon zeugen Diagramme und Skizzen, die Filmsequenzen in ein Netz aus Strichen und Zahlen übersetzen, die für Bilder und Blickwinkel stehen. Was so verwirrend aussieht, ist im Museum schlüssig aufgelöst am fertigen Beispiel jener 61 Einstellungen aus DER UNSICHTBARE DRITTE (1959), als Cary Grant einem Tieffliegerangriff entgeht. Da wird Alfred Hitchcock nicht nur als Meister der kinematrografischen Geometrie, sondern auch als Visionär der Kamera sichtbar. Thriller-Kombinat Wer hat Hitchcocks Filme gemacht? Eine Ausstellung im Museum für Film und Fernsehen spürt dem Kollektiv nach, das hinter den Arbeiten des Meisters steht. Und zeigt „Hitch“ in Berlin Von Frank Arnold (…) Dass Hitchcock sich bei der Umsetzung seiner Ideen eines bewährten Stammes von langjährigen Mitarbeitern versichern konnte, passt wenig zu dieser Selbstdarstellung, zu der auch die legendären Auftritte gehörten, mit denen er die Episoden seiner TV-Serien einleitete. Auch sie dienten dazu, die Marke Hitchcock zu etablieren. (…) Auf fast 300 Quadratmetern Fläche bietet die Schau spannende Einblicke in die Arbeitsweise des Regisseurs. Dabei wurde sie für Berlin in drei Bereichen erweitert. Man kann jetzt das Dior-Kostüm sehen, das Marlene Dietrich 1950 für STAGE FRIGHT (die rote Lola) auswählte, in der Abteilung Sounddesign erfährt man mehr über Oskar Sala und seine Trautonium-Klänge für DIE VÖGEL, vor allem aber wurde ein Exkurs zu Hitchcock und Berlin hinzugefügt. (…)
The Guardian The Master and Murnau A new exhibition
reveals how much Britain's greatest film director owed to his apprenticeship in
Berlin Von William
Cook Nearly 30
years after his death, Alfred Hitchcock remains the great master of British
cinema, but a fascinating new exhibition at Der Freitag, Berlin, 27. Februar 2009 Dass man die im
Dunkeln sieht Alfred Hitchcock
wusste, wie man sich als schrulligen Genius inszeniert. Eine Berliner
Ausstellung zeigt nun die Werkstatt, die hinter dem Mythos gestanden hat Von Tilman Vogt Kaum ein anderer Kulturschaffender hat es vermocht, im Kino
Vertreter der Avantgarde und das breite Massenpublikum gleichermaßen so zum
Schwärmen zu bringen wie Alfred Hitchcock. Der Regisseur ist der
Konsenskünstler der kulturindustriellen Sphäre seit der beharrlichen Fürsprache
der französischen Nouvelle Vague und vor allem durch François Truffauts
Interviewbuch (Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?). Den jungen
Franzosen imponierte Hitchcock zuerst als visionärer Schöpfer seiner Filmwerke
– schließlich entsprach dieses Konzept vielem, was der Autorenfilm seinerzeit
propagierte. Dass durch dieses Image viele erstklassige Mitarbeiter mit ihren
Arbeitsanteilen in dem großflächigen Schatten des Regisseurs verschwanden,
wodurch die Marke Hitchcock erst geschaffen werden konnte, zeigt nun eine
Ausstellung im Berliner Museum für Film und Fernsehen: Casting a Shadow.
Alfred Hitchcock und seine Werkstatt. Sie präsentiert Hitchcock als
Inszenierungsmanager, der mit großer Meisterschaft verschiedene Drehbuchautoren
(unter anderem John Steinbeck oder Thornton Wilder), Kostümbildnerinnen,
Kameramänner oder Komponisten miteinander kombinierte und teilweise auch
gegeneinander ausspielte. (…)
Filmbulletin, Nr. 2, Winterthur 2009 Von Matthias Christen Die Schau führt eindrücklich vor Augen, dass sich hinter dem Namen Hitchcock ein ganzer Stab von Mitarbeitern verbirgt, die mit dem „master of suspense“ oft jahrelange Arbeitsbiografien teilten und auf diese Weise die stilistische Konsistenz seines Werkes sicherstellten. (…) Gegenüber der ursprünglichen Präsentation haben die Berliner Kuratoren einige sinnvolle Ergänzungen, unter anderem in den Bereichen Kostümbild und Sound Design, vorgenommen, vor allem aber stärker auf audiovisuelle Hilfsmittel zurückgegriffen, was der Ausstellung gut tut. (…) Eine Entdeckung sind Mario Machs Fotos von Hitchcocks Berlin-Besuchen der sechziger Jahre. Sehr schön lässt sich an diesen Bildern studieren, wie gekonnt Hitchcock als begnadeter Selbstdarsteller sein Image nutzt, um für seine Filme zu werben (…) „Casting a Shadow“ ist eine rundum gelungene Ausstellung, die nicht allein über Hitchcock und seine Werkstatt, sondern über das Filmemachen als kollaborativen Prozess insgesamt viel verrät.
Konkret, Nr. 4, Hamburg 2009 Der Mann, der zuviel wusste Von Thomas Blum (…) In einem der Fernsehinterviews, die derzeit in der Ausstellung „Casting a Shadow. Alfred Hitchcock und seine Werkstatt“ in der Berliner Kinemathek gezeigt werden, nennt Hitchcock Filme, die nicht mehr vermochten als eine Geschichte zu illustrieren, abwertend (in seinem skurrilen, aber bemerkenswert gut verständlichem Deutsch) „Fotos von Leuten, die spricht“. Damit hatte er bereits in den sechziger Jahren trefflich beschrieben, was viele deutsche Regisseure bis heute herstellen: totes Filmmaterial, das nichts enthält als aneinander gereihte Informationen, zweckmäßig aufbereitet. Hitchcock hingegen beharrte auf „Echt-Cinema“, in dem die Kamera eine Sprache erschafft und in dem „kleine Stücke Film zusammengeklebt“ seien „wie eine Idee“. Solcherart Werke gäbe es „nicht genug heute“. Und da hat er schon wieder recht. Es war eine gute Idee der Kuratoren (…), den Künstler selbst sprechen zu lassen. |