Zen
Der Ursprung des Zen geht
auf die Erweckung von Buddha Shakyamuni zurück, der vor ca. 2500 Jahren
die Praxis des Zen entdeckte und verwirklichte. Diese Praxis des Zazen
ist der Ursprung der gesamten buddhistischen Lehre, die später von
Buddha und seinen Schülern schriftlich und mündlich weitergegeben wurde
und aus der die zahlreichen Traditionen des Buddhismus entstanden.
Die Essenz des Zen ist jenseits jeder Religion, jenseits aller Ismen und Systeme, denn Zazen
ist die Praxis, wodurch der Übende selbst zum Ausdruck der Lehre in
ihrer höchsten und reinsten Form wird. Dadurch konnte das Zen über
viele Generationen hinweg seine Lebendigkeit und Frische bewahren, ohne
zu degenieren, und ist nicht in einem System stagniert, wie dies in
vielen Religionen der Fall ist.
Die Verwirklichung des Zen findet allerdings nicht
nur in der stillen Meditation statt, sondern erstreckt sich auf alle
Bereiche des Alltags. Selbst die profansten Tätigkeiten, die wir sonst
oft nur nebenbei tun, sei es essen, Auto fahren, laufen oder arbeiten,
werden zur Quelle des Erwachens. So antwortete Joshu, ein Zen-Meister
aus dem alten China, auf die Frage, was denn der Weg des Zen sei: "Der
alltägliche Geist ist der wahre Weg". Dies bringt sehr gut zum
Ausdruck, dass es sich beim Zen nicht um einen weltfremden Weg handelt,
der nur abgesondert von der Gesellschaft verwirklicht werden kann,
sondern dass es ein Weg ist der unser gesamtes Leben in jedem
Augenblick hier und jetzt durchdringt.
Die Frage was denn nun "Zen" eigentlich ist, kann
nur bedingt beantwortet werden, da dessen Essenz letztendlich jenseits
unseres begrifflichen Denkens, jenseits unseres Logos liegt. Zen fängt
da an, wo das dualistische Denken aufhört, umfasst dieses aber doch
vollständig. Zen ist eine Sache der Praxis und keine Philosophie oder
ein festes Lehrsystem. Es geht im Zen aber auch nicht darum zu
praktizieren, um etwas zu erreichen, sei es ein besonderer
Bewusstseinszustand oder gar die oft missverstandene "Erleuchtung",
sondern um die Praxis selbst, die die Verwirklichung des Erwachens ist.
So sind Praxis und Erwachen nicht voneinander getrennt, sondern eins. Diese Praxis des Zazen,
dieses Erwachen besteht darin, zur Lebenswirklichkeit zu erwachen und
unsere Gedanken fallen zu lassen. Denn genau in diesem Moment
aktualisiert sich das Erwachen vollständig.
Die Essenz des Zen wurde von Patriarch zu
Patriarch, von Herz zu Herz (i shin den shin) weitergegeben, und ist so
bis heute lebendig und frisch geblieben. So hat Buddha Shakyamuni, als
er sein Ende kommen sah, seine Schüler auf dem Geierberg versammelt um
einen Nachfolger zu bestimmen. Er nahm eine Lotusblume in die Hand und
drehte diese zwischen seinen Fingern. Niemand verstand, außer
Mahakasyapa, der lächelnd zu Shakyamuni blickte. So wurde Mahakasyapa
der erste Patriarch des Zen und Buddha Shakyamuni überreichte ihm seine
Schale und sein Gewand, die bis heute die Symbole der Weitergabe sind.
Mahakasyapa selbst bestimmte später Ananda zu seinem Nachfolger, und so
ging die Weitergabe des Zen in Indien von Patriarch zu Patriach weiter
bis zum 28ten Patriarchen Bodhidharma, der das Zen schließlich nach
China brachte.