Soto-Zen
Dogen Zenji
Die Tradition des Soto-Zen, in der Form wie wir es heute praktizieren,
geht auf Meisten Dogen Zenji aus dem 13ten Jahrhundert zurück. Dogen
war damals, genau wie viele Wegsuchende heute, auf der Suche nach dem
wahren Weg und studierte so in verschiedenen Schulen des Buddhismus in
Japan. Allerdings konnte keine der dort verbreiteten Lehren Dogen
zufriedenstellen. Dieser hatte den Eindruck, dass es in den meisten
Tempeln mehr um die Stellung und den damit verbundenen Reichtum ging,
der damals einem Priester zustand, als um den wahren Buddhaweg. So
reiste Dogen zusammen mit seinem damaligen Meister Myozen nach China,
um dort die ursprüngliche Lehre des Zen zu ergründen.
Aber auch in China konnte seine Sehnsucht nicht wirklich
zufriedengestellt werden und so wollte Dogen schon bald wieder
abreisen. Kurz vor seiner Abreise begegnete er jedoch einem alten
Mönch, dem Tenzo (Chefkoch) eines Tempels. Dieser trocknete am Ufer
Pilze, die er für das Essen der Mönche gekauft hatte. Dogen verwunderte
dies.
So fragte er ihn, warum er hier und jetzt in dieser Hitze die Pilze
trocknete, anstatt wie es für einen Mönch seines Ranges und Alters
üblich war, Sutren zu studieren und Zazen zu üben.
Aber der alte Mönch lachte nur und antwortete Dogen, dass dieser wohl
noch nicht einmal im Traum etwas von der wahren Buddhalehre gehört habe.
Dies beeindruckte Dogen und er wollte mehr über diesen eigentümlichen
Mönch und seine Praxis erfahren. Doch er sagte, er müsse schnell wieder
zurück in den Tempel, um das Mahl für die Mönche zu bereiten und hätte
keine Zeit für Diskussionen. Aber er lud Dogen ein, in seinen Tempel zu
kommen und dort bei seinem Meister zu praktizieren. Dogen nahm das
Angebot natürlich an und begann so, bei Meister Tendo Nyojo zu
praktizieren, um unter dessen Anleitung nach eigenen Worten "die große Sache lebenslanger Übung"
zu klären. Die Essenz der Lehre Meister Nyojo's lag in der Übung von
Zazen, im Abwerfen von Körper und Geist (shinjin datsuraku).
Als
Dogen dann einige Zeit später zurück nach Japan reiste, widmete er von
da an sein gesamtes Leben der Weitergabe der wunderbaren Praxis, wie er
sie von Meister Nyojo empfangen hatte.
Das erste schriftliche Werk, das Dogen nach seine Rückkehr verfasste,
war das Fukanzazengi (Richtlinien für die Übung des Zazen), woraus dessen große Bedeutung für Dogen hervorgeht. Zazen stellt für Dogen ohne jeden Zweifel die essenzielle Praxis des Zen dar und ist, so sagte Dogen, "das wahre Tor zum Buddha-Dharma".
Danach verfasste er nach und nach die weiteren Kapitel des Shobogenzo
(Schatzkammer des wahren Dharma), in dem er sein Erwachen schriftlich
ausdrückte, sowie das Eihei Shingi und weitere bedeutende Werke. Später
gründete er den Tempel Eiheiji, und setzte dort seine Unterweisung und
Praxis des Zazen unermüdlich bis zu seinem Tode fort.
Kodo Sawaki
So
wurde das Soto-Zen über viele Generationen hinweg bis zu Kodo Sawaki
Roshi (1880-1965) weitergegeben, der ebenfalls eine sehr bedeutende
Rolle in der Geschichte des Soto-Zen hat. Dieser fand im Japan seiner
Zeit ein stark formalistisches Priestertum in den Tempeln vor sich, bei
dem die Praxis stark degeneriert war. Man konzentrierte sich mehr auf
das Rezitieren von Sutren und das Durchführen von ausgeprägten
Zeremonien als auf die Buddhapraxis des Zazen selbst.
Meister Kodo Sawaki belebte durch seine starke Zazenpraxis das Zen in Japan wieder neu und brachte die Übung des Zazen wieder zurück in die Klöster. Vor allem aber brachte er Zazen
wieder in den Alltag der Menschen und lebte wie Dogen ohne Kompromisse
die Lehre des Zen. So wurde er als der "heimatlose Kodo" bekannt, da er
die meiste Zeit keinen festen Wohnsitz in einem Tempel hatte, sondern
wie ein wahrer Zen-Mönch unermüdlich reiste, um die Zazenpraxis zu verbreiten.
Hier einige Aussprüche von Kodo Sawaki, die sehr gut den Kern seiner Lehre zum Ausdruck bringen:
Jeder Einzelne von uns wird gemeinsam mit der Welt geboren und stirbt
gemeinsam mit der Welt.
Denn jeder trägt seine eigene, ganz persönliche
Welt in sich selbst.Wenn du Zazen praktizierst, bist du vollkommen neu. Wenn du Zen
praktizierst, geht es um dich selbst, hier und jetzt. Zen darf nicht zu
einem Gerücht, das mit dir nichts zu tun hat, werden.Samadhi (das Aufgehen in der Praxis) bedeutet das, was das gesamte
Universum ausfüllt, in jedem einzelnen Augenblick, bei jeder einzelnen
Tätigkeit, in die Praxis umzusetzen, indem du dich ihm vollkommen
hingibst. Etwas einfach zu tun bedeutet, es jetzt auf der Stelle zu
tun. Es bedeutet nicht, die Zeit seines Lebens zu verschwenden.In unserer Schule gibt es keine Gottheiten neben Zazen. Nicht-Denken ist der Leib des Dharma.
Taisen Deshimaru
Meister Taisen Deshimaru war Schüler Kodo Sawakis und praktizierte mit diesem bis zu dessen Tod im Jahre 1965.
Danach brach er nach Europa auf, um dort auf frischem Boden die wahre Lehre des Zen zu verbreiten.
Deshimaru kam ohne die Hilfe irgendeiner Organisation und ohne
finanzielle Mittel 1967 in Paris an und begann dort, im Keller eines
kleinen Ladens Massagen zu geben, um seinen Lebensunterhalt zu sichern.
Nach und nach bildetete sich eine kleine Sangha um Meister Deshimaru
und die Praxis des Zazen begann sich zu verbreiten.
In den 15 Jahren, die er in Europa verbrachte, gründete Meister
Deshimaru über hundert Dojos und Zazengruppen in ganz Europa, den
grossen Zen-Tempel La Gendronniere (bei Blois in Frankreich) sowie die AZI (Association Zen Internationale).
Er gab die Lehre des Zen genauso an seine Schüler weiter, wie er diese
von seinem Meister erhalten hatte und lehrte unermüdlich die Praxis des
Zazen.
Heute, nach seinem Tod, wird diese Unterweisung authentisch von seinen Schülern in den Dojos und Tempeln der AZI weitergegeben.